"Heiligste Dreifaltigkeit" Altdorf b.Nürnberg
Kleiner Wegweiser durch den Kirchenraum
 



  Die sichtbare Kirche als Symbol für die unsichtbare Kirche

"Die sichtbare Kirche ist ein Symbol für die unsichtbare Kirche". Dieser Satz aus dem Mittelalter gilt für jeden christlichen Kirchenbau. Das Wort Kirche stammt von griechischen Wort kyriakon, "dem Herrn gehörig" ab. Kirche ist also ein symbolischer Wohnort Gottes auf Erden, ein Ort, an der Menschen Gott nahe sein, ihm begegnen können, an dem sie seine Größe feiern, von ihm und seinen Taten sprechen und durch das Gebet gestärkt werden.

Die zur Kirche und dann zum Altarraum führenden Stufen versinnbildlichen den Weg vom irdischen Dunkel zum himmlischen Licht. "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Joh. 8,12). Die Kirche steht als Sinnbild für das himmlische Jerusalem, in die Jesus als König und Hohepriester einzog und zugleich als Symbol für die Wegstrecke, die der Gläubige äußerlich wie innerlich zurücklegen muss, bis er sich mit Christus am Altar verbinden kann. Gotische Kathedralen mit ihren Glasmalereien verkörpern das himmlische Jerusalem, von dem es in der Geheimen Offenbarung heißt: "Die Mauer bestand aus Jaspis. Die Stadt selbst war aus reinem Gold gebaut, das so durchsichtig war wie Glas..." (Offb. 21,18). Rot, Blau und Grün galten als Farben, die das Reich Gottes, seine Liebe, den Himmel und die Hoffnung auf ein ewiges Leben symbolisierten. Für die mittelalterlichen Baumeister symbolisierte die Kirche die göttliche Ordnung. "Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet" (Weisheit Salomons 11,21). Wer die Grundrisse vieler mittelalterlicher Kirchen betrachtet, fühlt sich in ihren Proportionen und Maßen, an eine liegende menschliche Figur mit dem Chor als Haupt, dem Querschiff als ausgebreitete Arme und dem Hauptschiff als Körper, erinnert oder auch an ein Kreuz, das Symbol für das Leiden und Sterben Jesu aber auch Zeichen des Sieges über den Tod.























Turmhelm
 des Freiburger Münsters

Im Mittelalter galt der Westen als Himmelsrichtung, die dem Heil der aufgehenden Sonne entgegengesetzt ist, als Gegend des Bösen und Sitz dämonischer Kräfte. Das mit einem oder mehreren wehrhaften Türmen ausgestatte Westwerke romanischer Kaiserdome und der dort dem Erzengel Michael gewidmete Altar oder eine Kapelle symbolisieren den Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Der Kaiserthron stand erhöht auf den Emporen, von dort demonstrierte der Kaiser seine Macht gegenüber dem erhöht im Chor sitzenden Klerus. Oftmals fand im Westwerk auch der Stifter und Begründer des Gotteshauses seine Ruhestätte, während im Osten, in der Krypta und im Chorraum nahe beim Altar und Bischofsstuhl Heilige ihre Grabesstätte hatten. Später diente das Westwerk auch als Versammlungsort vor Prozessionen und Taufen. Die nicht mehr benötigten Herrscherempore wurden zu Nonnenemporen umgewidmet.
So wie Westwerk und Chor in besonderer Beziehung stehen, so auch die Krypta - von griechisch kryptos, geheim, verborgen - ein zum Teil mehrere Stockwerke tief gegrabener Aufbewahrungsort für Reliquien und Heiligengräber, und der Vierungsturm über der Schnittstelle von Längs- und Querschiff. Beide Wege von West nach Ost, vom Dunkel zum Licht, und von unten nach oben, von der Erde zum Himmel kreuzen sich im Vierungskreuz und fügen dem liegenden Kreuz eine himmelwärts zeigende, transzendente Dimension hinzu. Er kündet von der Auferstehung und der Hoffnung auf das ewige Leben.

Die Kirche dient der Messfeier, dem Vollzug der Sakramente und der stillen Einkehr und Andacht. Ihrer hohen Bedeutung im Gottesdienst entsprechend finden sich Altar, Taufstein und Kanzel an exponierte Stelle Aufstellung. Am Altar wird die Eucharistie gefeiert, das Abendmahl in Erinnerung an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Im Mittelalter fand der Hochaltar seinen Platz im Chorraum. Laien und Klerus waren durch den Lettner (Chorschranke) getrennt, vor den ein Volksaltar gestellt wurde. Der alte Taufstein nimmt noch heute in vielen Kirchen das geweihte Taufwasser auf. Früher waren dies große Becken, in die der Täufling in Erinnerung an die Taufe Jesu im Jordan ganz untergetaucht wurde. Das Taufbecken war in der Nähe des Eingangsportals in der Kirchenvorhalle, wo sich auch die Weihwasserbecken befinden, aufgestellt und sollte die Eintretenden an die errettende und Sünden vergebende Kraft der Taufe erinnern. Ursprünglich gab es für kurze Lesungen einen sogenannten Ambo, ein Lesepult am Chorbeginn. Mit zunehmender Bedeutung der Predigt fand die Kanzel (der besseren Akustik wegen mit Schalldeckel) ihren Platz am Triumphbogen oder im ersten Drittel des Kirchenschiffs, so dass die Gemeinde den Prediger gut sehen und gut verstehen konnte.
Aufbewahrungsort für die Hostien ist der Tabernakel (in spätgotischer Zeit in Form eines Sakramentshauses). Die priesterlichen Geräte und Gewänder werden in der Sakristei, einem kleinen Nebenraum der Kirche meist in der Nähe des Chores, aufbewahrt.

Durch die Liturgiereform und ein geändertes Verständnis der Rolle der Laien, haben sich in sowohl in der Architektur als auch in der Anordnung mancher Elemente im Kirchenraum Änderungen ergeben: Das Taufbecken ist zur Betonung des zentralen Sakramentes der Taufe nach vorne in den Chorbereich gerückt, der Altar aus dem Chorbereich weiter nach vorne zu den Laien hin (in einigen modernen Kirchen bildet er sogar das Zentrum).

  Predigt in Bildern

Die Malereien und Skulpturen mittelalterlichen Kirchen waren für die einfachen, des Lesens und Schreibens unkundigen Leute eine Predigt in Bildern bzw. Bilderbibeln mit immer widerkehrenden Themen, Motiven und Darstellungsweisen. Für die Wirkung dieser Bildprogramme ist die vielfältige Nutzung der Gotteshäuser in der damaligen Zeit wichtig. Die Kirchen waren die größten Steinbauten der Stadt. Bei Bränden, Überfällen und Unwettern boten sie Zuflucht. Auch Verfolgte fanden dort Schutz vor dem Gesetz (heute ist das Kirchenasyl wieder aktuell). Nicht selten wurde in Kirchen Recht gesprochen, weltliche Verordnungen verlesen und geistliche und weltliche Spiele aufgeführt. Der kürzeste Weg von der einen zur anderen Stadtseite ging durch das Querschiff und die Seitenportale (heute nicht gerade erstrebenswert). Ein belebter öffentlicher Raum.
Im Bildprogramm der mittelalterlichen Kirchen lassen sich folgende heilsgeschichtlichen Zeiträumen zugeordnete Bereiche erkennen:

  • Zeit der Schöpfung: im Westen, Eingangsbereich, Portal und Vorhalle; Nordseite mit Urväter, Propheten, Könige des Alten Testamentes, Stammbaum Jesu
  • Zeit des Gesetzes: nachdem Moses die Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai erhalten hatte, im Norden; im Süden Figuren aus dem Neuen Testament, Apostel und Märtyrer; beliebte NT-Szenen: Geburt und Passion, Wundergeschichten und Gleichnisse, Heiligenlegenden, Szenen aus dem Marienleben.
  • Zeit des Heils: nachdem Christus sich offenbart hat; im Osten, der Heiligen Zone (Triumphbogen, Chor und Apsis)

Daneben waren sogenannte typolologische Bildkreise beliebt, bei denen bestimmte neutestamentliche Szenen bestimmten Geschichten des Alten Testamentes zugeordnet wurden (Zwölf Propheten - Zwölf Apostel, Jonas im Walfisch - Jesus im Grab, Sündenfall - Erlösung)

Bildmotive im Einzelnen:

  • Dreifaltigkeitssymbole (Gnadenstuhl mit Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist) und allegorische Figuren (Eklesia, Synagoge)
  • Tier- und  Pflanzensymbole (Pelikan als Christussymbol, Kreuz als Lebensbaum)
  • Propheten, Evangelisten, Apostel, Heilige, Märtyrer mit ihren typischen Attributen (Petrus mit dem Himmelsschlüssel, Andreas mit dem Kreuz)
  • Gnaden- und Andachtsbilder (Deesis - Jesus am Kreuz mit Maria und Johannes, Pietà -  Maria mit dem toten Sohn auf dem Schoß, Schwarze Madonna)
  • Kreuzweg (Weg Christi vom Haus des Pilatus zur Hinrichtungsstätte auf dem Berg Golgota mit seinen 14 Stationen)
    Fensterrosetten, Portale und Schlusssteine wurden besonders geschmückt.

In der Darstellung lassen sich folgende künstlerische Gesetzmäßigkeiten erkennen:

  • Bedeutungsmaßstab: Wichtiges groß, Unwichtiges klein (zentrale Stellung von Christus und Maria)
  • Vertikalanordnung: Ranghöhere oben, Rangniedriger unten (vgl. Pantokrator, Christus als Allherrscher in orthodoxen Kirchen)
  • Raumseite: Rechte Seite gut, linke Seite schlecht bzw. in Relation schlechter; von der Apsis aus gesehen (Nordseite Evangelienseite, Männerseite; Südseite Epistelseite, Frauenseite)
  • Beleuchtungsgrad: für das Heilsgeschehen weniger wichtige Personen im Dunklen, wichtigere im Licht


  Die Kirche - Gottes Haus im Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde


  

  Bilder für die unsichtbare Kirche

Die Kirche ist zwar sichtbar, aber vieles von ihrer Wirklichkeit kann man nicht sehen. Da dies aber wichtig ist, brauchen wir Zeichen, die uns darauf hinweisen, was die Kirche ist.

Arche Noah Die Arche war das Schiff des Noach, mit der er und seine Frau und damit die Menschheit vor der Sintflut gerettet wurde. Es gab keine andere Rettung. Darum ist es wichtig, zur Kirche zu gehören. Damit ist natürlich nicht nur die äußere Zugehörigkeit gemeint, denn nur, wer auch mit dem Herzen zur Kirche gehört, kann wirklich gerettet werden. Die Kirche ist eine Arche der Herzen. Es gibt viele, die drinnen sind und doch draußen, und viele, die draußen sind und doch drinnen.

Orante Oft wird die Kirche als Frau, die betend die Hände ausbreitet, dargestellt. Wenn der Priester am Altar betet, hat er die gleiche Haltung, denn die Kirche ist eine Gemeinschaft, die betet. Sie tut es öffentlich; jeder kann es sehen und hören und zeigt damit am deutlichsten, dass sie mit Gott verbunden ist. Sie dankt, bittet, bekennt und lobt. Es gibt keinen Augenblick durch die Tage, Jahre und Jahrhunderte, in dem nicht irgendwo auf der Erde die Glieder der Kirche beten. Die ausgebreiteten Hände sagen: Das Gebet umfasst alle Menschen. Wir stehen als Kirche für alle vor Gott.

Die Frau Der Engel sagt in der Offenbarung des Johannes: „Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes." Und er zeigt dann die Kirche in der Gestalt der Stadt Jerusalem. Schon im Alten Testament nennt Gott sein Volk seine Ehefrau. Er meint damit, dass er sein Volk innig liebt. Im Neuen Testament ist die Kirche Partnerin des Christus (Frau des Lammes). Mit ihm zusammen soll sie das Heil für die Welt wirken. Für beides, für die Liebe und für die Mitwirkung ist Maria das Vorbild. Darum wird die Kirche beschrieben als eine Frau mit der Sonne bekleidet, den Mond unter den Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Gleichzeitig nennen wir die Kirche auch Braut, weil wir noch auf das ewige Hochzeitsmahl warten. Alles was die Kirche tut, ist zugleich eine Vorbereitung auf die „Hochzeit des Lammes." (Offenbarung 21, 1-11).

Der Leib Christi Wieder ein ganz anderes Bild von der Kirche. Es hat ein wenig Ähnlichkeit mit dem Bild vom Weinstock. Beim Weinstock sind alle Reben ähnlich, jeder soll Frucht bringen. Beim Leib sind die Teile verschieden. Das ist ein Bild dafür, dass es ganz verschiedene Aufgaben in der Kirche gibt. Aber alle sollen zusammenwirken, sie sollen eins sein, wie der Leib ein Ganzes ist. Christus ist das Haupt des Leibes der Kirche. Mit diesem Haupt sind alle verbunden. Und vom Haupt geht alles aus, was die Kirche tut (Kor 12, 12-27).

Die Mutter Die Kirche ist als Frau und Braut des Lammes zugleich auch die Mutter aller Kinder Gottes. In der Taufe hat sie uns zum neuen Leben geboren. Und wie eine Mutter kümmert sie sich um uns. Sie erzieht uns dazu, auch als Christen zu leben; sie erzählt uns die Geschichte von Jesus, sie schenkt uns die Gaben Gottes in den Sakramenten; sie tröstet uns durch ihre Hoffnung; sie mahnt uns, gut zu sein.

Das Schifflein Petri Petrus war ein armer Fischer und hatte nur ein kleines Boot. Weil Petrus der erste „Steuermann" der Kirche war, nennen wir die Kirche sein Schiff. Die Welt ist ein Meer und über dieses Meer fährt das Schiff der Kirche. Ihr Ziel ist der „Hafen der Ewigkeit". Es gibt schönes Wetter und guten Wind, es gibt aber auch Gegenwind und Sturm. Wir alle sind auf diesem Schiff. Und wir alle sollen helfen, dass das Schiff „auf Kurs" bleibt (Mk 4, 35-41).

Haus Gottes Wir nennen unsere Gotteshäuser Kirche, weil diese Bauten ein Bild für die Kirche sind. Die eigentliche Kirche ist natürlich kein Haus aus Stein. Ein Kirchenbau ist aus vielen Steinen errichtet. So besteht die Kirche aus vielen Menschen. Paulus sagt, dass wir ein Haus sind, das aus lebendigen Steinen errichtet ist. Ein Kirchenbau ist für Gott gebaut. So ist die Kirche für Gott da. Als Haus Gottes ist die Kirche die Heimat für die Kinder Gottes (Psalm 84).

Quelle des Lebens- Brunnen des Lebens All meine Quellen entspringen in dir." singt der Psalm 86 von Jerusalem. Wie aus einer Quelle Wasser kommt, so entspringt das Leben aus der Kirche. Wir nennen sie das Grundsakrament. Ein Sakrament ist ein Zeichen der Ähnlichkeit mit Christus, aber ein Zeichen das diese Ähnlichkeit bewirkt und enthält. Zeichen zeigen auf etwas anderes hin; Sakramente aber sind Zeichen die auf das hinweisen, was sie selbst enthalten. So ist die Kirche ein Zeichen des Lebens, das in ihr selbst lebendig ist, weil Christus es ihr am Kreuz geschenkt hat. Es gibt Bilder, da steht die Kirche unter dem Kreuz und hält einen Kelch, in den aus der Seitenwunde Jesu Wasser und Blut fließen. Von diesem Strom der Gnade lebt die Kirche. Sie gibt ihn weiter an die Menschen, am sichtbarsten und wirksamsten durch die sieben Sakramente. Darum wird die Kirche dargestellt als ein Brunnen oder eine Quelle.

Quellen: Margarete Luise Goecke-Seischab, Jörg Ohlemacher: Kirchen erkunden, Kirchen erschließen. Ein Handbuch mit über 300 Strichzeichnungen und Übersichtstafeln, sowie einer Einführung in die Kirchenpädagogik. Lahr: Verlag Ernst Kaufmann 1998 (sehr empfehlenswerte Darstellung) u.a..

Nähere Informationen über die Symbolik des Kirchenraumes

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© Dr. Martin Weimer, Altdorf b.Nürnberg