| Glockenstuhl und Kirchturmuhr | |||||
... oder was sich im Kirchturm der
Dreifaltigkeitskirche alles verbirgt und was uns dieses bedeutet
Ich beklage die
Toten, breche die Blitze, kündige die Feiertage an, sporne die Langsamen an,
vertreibe die Winde, besänftige die Grausamen.
Die Glocken
klingen, klingen viel anders denn sonst, wenn einer einen Toten weiß, den er
lieb hat.
Mir scheint
es wunderbar und bemerkenswert, dass eine Kunst erfunden wurde, durch einen
Klöppelschlag in einer und derselben Sekunde in 1000 verschiedenen Herzen
eine und dieselbe Empfindung zu werken.
Die Kanone
sprach zur Glocke: "Immer locke, immer locke! Hast dein Reich, wo ich es
habe, hart am Leben, hart am Grabe. Strebst umsonst, mein Reich zu
schmälern! Bist du ehern, bist du stählern. Heute sind sie dein und beten,
morgen sind sie mein und - töten.
Der Klang der
Glocken ist die Botschaft der Weihe; Botschaft von Gott ohne Grenzen
und Enden; die Botschaft der Sehnsucht und der unendlichen Erfüllung.
Verlieren die Glocken ihre Gewalt über den Lärm, die Türme die Herrschaft
über die Dächer, so ist keine Hoffnung und kein Leben mehr.
Wenn wir die
Glocken der Freiheit von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat
und jeder Stadt läuten lassen, werden wir den Tag schneller erleben, dass
alle Kinder Gottes, Schwarz und Weiß, Juden und Christen, Protestanten und
Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Negro-Spirituals
singen: "Endlich frei, Dank sei Gott, endlich frei."
Schon immer waren
die Menschen selbstsüchtig und oft wenig gut: Aber das Abendläuten
erklang, schwebte über den Feldern, über dem Wald. Es mahnte, die
unbedeutenden, irdischen Dinge abzulegen, Zeit und Gedanken der Ewigkeit zu
widmen. Das Läuten
bewahrt die Menschen davor, zu vierbeinigen Kreaturen zu werden. * * *
|
|||||
| Home | Übersicht | Mitteilung | Weiterempfehlen |
© Dr. Martin Weimer, Altdorf b.Nürnberg |
|