| Religionsfreie Zone? |
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Religionsfreie Zone? - Denkimpulse für
alle, die die Religion als krankhafte Wahnvorstellung, kindliches
Wunschdenken oder Projektion hinstellen und Religion aus dem öffentlichen
Leben verdrängen wollen * 1. Religiosität ist eine uralte und zutiefst menschliche Eigenschaft, oft verschüttet und doch vorhanden Du kannst Staaten
sehen ohne Mauern, ohne Gesetze, ohne Münzen, ohne Schrift; aber ein Volk
ohne Gott, ohne Gebet, ohne religiöse Übungen und Opfer hat noch keiner
gesehen. Wer die ungeheure
Bedeutung der Religion unterschätzt, arbeitet trotz aller Aufklärung nur dem
Aberglauben in die Hände. Der Mensch ist seiner
Beschaffenheit nach ein religiöses Lebewesen. Wer etwas Höheres im
Wesen, nicht bloß im Grade sucht, als das Leben geben oder nehmen kann, der
hat Religion. Wäre es dem Menschen
möglich, alle Religion, auch die unbewusste und unwillkürliche, zu
verleugnen, so würde er ganz Oberfläche werden und kein Inneres
mehr haben. Den Menschen
verneinen, heißt: die Religion verneinen. Ich habe in meinem
Leben 60 Genies kennen gelernt, darunter waren 55 religiös und die anderen 5
hatten wenigstens Achtung vor der Religion. Religion ist kein
populärer Irrtum; sie ist eine große Wahrheit des Instinktes, von
Menschen geahnt, von Menschen zum Ausdruck gebracht. Was die Sonne
für die Erde ist, ist die Religion für den Menschen. Je mehr man das Leben
an sich herankommen lässt, desto mehr muss man sich mit Religion
beschäftigen. Religion ist nicht
irgend etwas abseits vom Leben. Das Leben selbst sollte als Religion
betrachtet werden. Leben, getrennt von der Religion, ist nicht menschliches
Leben, es ist tierisches Leben. In der Religion
suchen wir Antwort auf die elementare Frage, vor der jeder von uns jeden
Morgen aufs neue steht, welchen Sinn und welchen Wert wir unserem Leben
geben sollen. Was bin ich in der Welt? Was will ich in ihr? Was darf ich in
ihr hoffen? Jede tiefere
Religiosität wird denkend, jedes wahrhaft tiefe Denken wird religiös. Seit dreißig Jahren
habe ich eine Klientel aus allen Kulturländern der Erde. Viele Hunderte von
Patienten sind durch meine Hände gegangen. Unter allen meinen Patienten
jenseits der Lebensmitte, das heißt jenseits der 35, ist nicht ein einziger,
dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung wäre. Ja,
jeder krankt in letzter Linie daran, dass er das verloren hat, was lebendige
Religionen ihren Gläubigen zu allen Zeiten gegeben haben, und keiner ist
wirklich geheilt, der seine religiöse Einstellung nicht wieder erreicht. Ich habe nie ohne Religion gelebt und könnte keinen Tag ohne sie
leben, aber ich bin mein Leben lang ohne Kirche ausgekommen. Ich bin ein tief
religiöser Ungläubiger. Meine Religion besteht
in einer demütigen Beziehung zu einer unbegrenzten geistigen Macht,
die sich selbst in den kleinsten Dingen zeigt. Religion ist
Bindung. Atheismus eine höchst fragwürdige Ungebundenheit. Die Zukunft der
Religion ist durch das metaphysische Bedürfnis des Menschen
gesichert. Die Religion formt
das soziale Leben, gliedert die Zeiten, bestimmt oder rechtfertigt die
Moral, interpretiert die Ängste, gestaltet die Freuden, tröstet die
Hilflosen, deutet die Welt. Religion kommt
nicht sekundär zum Menschsein des Menschen hinzu. Vielmehr scheint
Religion von Anfang an für den Menschen ebenso charakteristisch gewesen zu
sein wie der Gebrauch von Feuer und Werkzeugen und die Fähigkeit zur
Sprache. Ihr kommt derselbe fundamentale, die Sonderstellung des Menschen
unter den höheren Tieren begründende Rang zu wie jenen anderen Merkmalen
menschlichen Verhaltens. Die Religion war mir
seit langem zuwider, und trotzdem spürte ich auf einmal eine Sehnsucht,
mich auf etwas beziehen zu können. Es war unerträglich, einzeln und mit
sich allein zu sein. 2. Religion gibt einen festen Bezugspunkt für Werte, Tugenden, Moral und Sittlichkeit Unsere Zeit ist eine Zeit
religiösen Verfalls. Die permanente Vitalität des Religiösen ist verloren
gegangen, die Volksmasse ist entweder abergläubisch oder religiös
gleichgültig geworden. Religion selbst ist
nichts anderes als Liebe zu Gott und zum Menschen. Die christliche
Religion erzeugt in denjenigen Seelen, die von ihr durchdrungen sind, eine
erhabene Starkmut und solche Tugenden, welche die menschlichen weit
überragen. Wenn die Menschen
trotz der Religion so schlecht sind, wie würde es ohne sie sein? Die Missachtung der
Religion führt zur Missachtung der menschlichen Pflichten.
Die Schreiber gegen die Religion, sind schlau
genug, während sie jedes andere System ablehnen, nie ein eigenes
aufzurichten. Religion und Moral
sind die unerlässlichen Stützen der öffentlichen Wohlfahrt. Der ist kein
Mann des Vaterlandes, der diese mächtigen Pfeiler untergräbt....Vernunft
und Erfahrung beweisen, dass Moralität im Volke ohne Religiosität nicht
bestehen kann. Es ist unleugbar, dass
nur Religion es gewesen sei, die den Völkern allenthalben die erste Kultur
und Wissenschaft brachte. Nicht die Religion
entspringt der Moral, sondern die Moral entsteht aus der Religion. Noch nie hat es ein
Volk ohne Religion gegeben, das heißt ohne den Begriff des Guten und des
Bösen. Die Religion ist nicht
wahr, weil die Evangelisten und Apostel sie lehren, sondern sie lehrten sie,
weil sie wahr ist. Religion ist die
Bindung des Menschen an Gott. Religion ist das
Ergriffensein von einem letzten Lebenssinn, es ist die Dimension der
Tiefe in unserem Leben. Mit religiös leben
meine ich dasselbe, was die Propheten und was Jesus damit gemeint haben:
Gerechtigkeit tun, die Wahrheit sagen, den Mitmenschen lieben.
Die Geschichte der
Menschheit ist genau umgekehrt verlaufen, wie Feuerbach, Marx und Freud
behaupten. Der Mensch hat nicht ein Stück seiner selbst, seiner profanen
Selbst- und Welterfahrung, abgespalten und dieses dann als ein fremdes
göttliches Wesen ausgegeben. Vielmehr haben die Menschen aller alten
Kulturen, soweit die prähistorische Forschung erkennen lässt, sich selbst
und die Welt zuerst im Licht der von ihnen wahrgenommenen göttlichen
Wirklichkeit verstanden.
Religiöser Glaube ist nicht gleichbedeutend
mit dem Für-wahr-Halten von Absurditäten, sondern Ausdruck einer
bestimmten Lebenshaltung.
In der Zwischenzeit hat sich freilich erwiesen,
dass nicht nur die Sexualität, sondern auch die Religiosität verdrängt
werden kann, dass die ältesten, stärksten, dringendsten Wünsche der
Menschheit, die Freud zufolge die Stärke der Religion ausmachen, besser
nicht als reine Illusionen abqualifiziert werden sollten; dass in
einer Zeit allgemeiner Orientierungs- und vielfacher Sinnlosigkeit gerade
der Gottesglaube zu definitiver Sinnerfüllung im Leben und auch im Sterben
verhelfen kann, aber auch zu unbedingten ethischen Maßstäben und zu einer
geistigen Heimat.
Der gott-lose Humanismus hatte allzu oft inhumane Folgen, und in den
Schreckenserfahrungen unseres Jahrhunderts - zwei Weltkriege, Gulag,
Holocaust, Atombombe - erwies sich der Weg von der Humanität ohne
Divinität zur Bestialität oft als kurz.
Ethik ohne Transzendenz wird leer und
sinnlos.
Eine Ethik, die sich nicht auf die tiefer
reichende, normative Kraft einer verbindlichen Religion [...] stützen kann,
wird es schwer haben, sich in der Gesellschaft durchzusetzen und von Dauer
zu sein. [...] Eine Verantwortungsethik ohne religiöse Fundierung scheint
[...] in der Moderne einfach nicht zu funktionieren. 3. Religionsfreiheit ist ein grundlegendes Freiheitsrecht Ich schreibe mit
der unverhüllt ausgesprochenen Absicht, den als Aberglauben
charakterisierten religiösen Glauben zu vernichten. Jeder hat das Recht
auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt
die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln,
sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein
oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre,
Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen. Typisch für den
modernen Ton ist ein gewisser Effekt der Duldsamkeit, der auf
Furchtsamtkeit hinausläuft. Man sollte meinen, Religionsfreiheit
bedeute, dass jeder frei ist, über Religion zu diskutieren. In der Praxis
bedeutet sie, dass kaum jemand Religion erwähnen darf. *** Unter diesen Umständen
ist es nicht verwunderlich, wenn die Gottlosenbewegung, welche die
Religion als ein willkürliches, von machtlüsternen Priestern ersonnenes
Trugbild erklärt und für den frommen Glauben an eine höhere Macht über uns
nur Worte des Hohnes übrig hat, sich mit Eifer die fortschreitende
naturwissenschaftliche Erkenntnis zunutze macht und im angeblichen Bunde mit
ihr in immer schnelleren Tempo ihre zersetzende Wirkung über die
Völker der Erde in allen ihren Schichten vorantreibt. * www.religonsfreie-zone.de, eine Website mit Verlinkungen auf diverse antireligiöse Aktionen wurde unterstützt von der Giordano Bruno Stiftung zur Unterstützung des evolutionären Humanismus.
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