| Weder heiß noch kalt? | |||||
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Besser als einer, der weiß, was
recht ist, ist einer, der liebt, was recht ist; und besser als einer, der
liebt, was recht ist, ist einer der Begeisterung fühlt für das, was recht
ist. Nur ein begeisterter Mann kann
etwas Großes und über das Gewöhnliche Erhabenes aussprechen. Nur wer
selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen. Gebt mir einhundert Männer, die
nichts fürchten außer der Sünde und nichts verlangen außer Gott, und ich
werde die Welt erschüttern. Ohne Begeisterung geschah
nichts Großes und Gutes auf der Erde... Die man für Schwärmer hielt,
haben dem menschlichen Geschlecht die nützlichsten Dienste geleistet. Trotz
allen Spottes, trotz jeder Verfolgung und Verachtung drangen sie durch, und
wenn sie nicht zum Ziele kamen, so kamen sie doch weiter und brachten
weiter. Was den Menschen aber über
die engen Schranken seines irdischen Bewusstseins hinaus von dem
Endlichen zu dem Unendlichen erhebt und ihm den Blick in die höhere
göttliche Welt öffnet, ist die Begeisterung. Begeisterung ist welche Macht
die Erkenntnis eines Menschen über sein Leben hat. Um
wirklich glücklich zu sein, brauchen wir nur etwas, wofür wir uns begeistern
können. Die Griechen haben uns das
schönste Wort der Welt vermacht: das Wort
"Enthusiasmus" - aus dem Griechischen "en théos", ein innerer Gott. Man mag sich über Ideale lustig
machen, weil sie oft mit der Wirklichkeit so seltsam kontrastieren, - der
Enthusiasmus ist doch das Schönste im Menschen. So lange er lebt, stirbt
die Jugend nicht. In dieser armseligen Zeit
kommt es vor allem darauf an, Begeisterung zu wecken. Begeisterung ist
es, was uns und der Jugend vor allem nottut. Es gibt kein Christentum ohne
einen Schuss Enthusiasmus.
. . . oder Lauheit und Gleichgültigkeit ? Ich weiß, dass du weder heiß noch kalt bist. O, dass du doch
heiß oder kalt wärest! So aber weil du lau bist, will ich dich aus meinem
Munde ausspeien. Gott trägt geduldiger einen Ungläubigen als einen lauen
Christen. Wir haben gesehen, wie große Sünder in der Welt zur
Vollkommenheit übergingen, nie aber haben wie dies bei lauen Christen
gesehen. Der Laue will und will nicht; er möchte gern die Belohnung
Gottes haben, aber er will nichts tun für Gott. Ist jene letzte Stunde gekommen, dann wirst du dein ganzes
vergangenes Leben in einem völlig anderen Lichte sehen und tief bedauern,
dass du so nachlässig und lau gewesen bist. Nichts ist so fatal für die Religion wie Gleichgültigkeit,
die zumindest eine halbe Ungläubigkeit ist. Gewiss, ein lauer Christ erfüllt noch regelmäßig
seine Pflichten, wenigstens dem Anschein nach. Aber das alles tut er so
widerwillig, so nachlässig und gleichgültig, mit so wenig innerer
Vorbereitung, und er ändert dabei seinen Lebenswandel so wenig, dass man
ganz klar sieht: Er erfüllt eben nur seine Pflichten, gewohnheitsmäßig, aus
Routine, weil gerade ein Fest ist und weil er das für gewöhnlich um diese
Zeit tut. Aber es ist ein Glaube ohne Eifer, eine Hoffnung ohne
Beständigkeit, eine Liebe ohne Glut... eine taten- und kraftlose Liebe... Ach,
meine Brüder, diese arme Seele in ihrer Lauheit ist wie jemand, der im
Halbschlaf liegt.
Eine laue Seele begeht, wenn ihr so wollt, keine schlimmen Sünden. Aber eine
üble Nachrede, eine Lüge, eine Regung von Hass, Abneigung, Eifersucht, eine
kleine Verstellung - das kostet sie so gut wie nichts. Wenn man ihr nicht
die Achtung zollt, die sie zu verdienen glaubt, dann lässt sie einen das
deutlich fühlen, weil sie wohl meint, dass man damit den lieben Gott
beleidigt. Richtiger wäre, wenn sie zugäbe, dass man sie selbst beleidigt
hat. Alles, was nicht gerade eine schwere Sünde ist, ist diesen Leuten schon
gut genug... Sie wollen Gutes tun, aber sie möchten, dass es sie nichts
kostet - oder zumindest nur ganz wenig. Sie würden sich zwar gern um die
Kranken kümmern, aber die Kranken müssten zu ihnen kommen. Sie haben genug
Geld für Almosen, sie kennen auch Leute, die es brauchen könnten, aber sie
warten darauf, dass sie kommen und darum bitten...
Die laue Seele sperrt ihren Gott in sich ein wie in ein düsteres,
schmutziges Gefängnis. Sie tötet Gott nicht, aber er findet in diesem Herzen
weder Freude noch Trost. Wenn mir jemand den Aberglauben unserer Voreltern
einwenden will, so muss ich ihm leider entgegnen, dass er schaue, wie heute
der religiöse Indifferentialismus der sogenannten gebildeten Klasse
furchtbar und widerwärtig neben demselben alten Aberglauben der Masse steht
- und zuletzt ist Aberglaube schöner, heiliger, kräftiger als jene sieche
Kraftlosigkeit des Indifferentialismus, der bei den Worten Gott,
Unsterblichkeit, Ewigkeit nichts denkt und sie nur als Redeformen in dem
Munde führt, die er überkommen hat wie andere Worte, bei denen er auch
nichts denkt. Geist ist Feuer, das
Christentum ist Brandstiftung, und vor dieser Feuersbrunst bangt natürlich
den Menschen mehr als vor irgendeiner anderen. Das Christentum
erträgt keine mittelmäßigen Herzen. Das Dazwischen ist nichts wert. Das Christentum ist bei den meisten
keine Inbrunst
mehr, sondern eine bequeme Gewohnheit. Wer vom Göttlichen Bereich
leidenschaftlich
gepackt ist, kann um sich keine Dunkelheit, keine Lauheit und keine Leere in
dem ertragen, was von Gott erfüllt sein und von Gott schwingen sollte.
Wenn ein Christ die Gemeinschaft mit anderen
Christen scheut, lächelt der Teufel. Wenn der Christ aufhört, in der Bibel
zu lesen, lacht der Teufel. Wenn er aufhört zu beten, jauchzt der Teufel vor
Freude. In Bezug auf das Evangelium ist es nicht schlimm, nur eine kleine Anzahl zu
sein, wohl aber, sich nicht zu regen oder sich zu schleppen wie Greise. Wir sind heute, bewusst oder nicht,
von
Gleichgültigen und Ungläubigen umgeben. Leute haben, vereinzelt oder in
Scharen, aufgehört zu glauben oder haben niemals geglaubt oder wissen nicht
einmal etwas von dem, was wir glauben. Diese sind unser Nächster.
Mission oder Demission? Lautlos naht der Kirche
eine Grundgefahr: die Gefahr einer Zeit, einer Welt, in der Gott nicht mehr
geleugnet, nicht mehr verfolgt, sondern ausgeschlossen, in der er undenkbar
sein wird; einer Welt, in der wir seinen Namen herausschreien möchten, es
aber nicht können, weil uns kein Plätzchen bleibt, um unsere Füße
hinzustellen. Früher einmal waren wir Christen der Thermostat
der Gesellschaft. Jetzt sind wir bestenfalls noch ihr Thermometer. Der Irrtum des Menschen heute, ist es zu leben,
"als ob Gott nicht existiere". Ein liberal
verwässertes und ermäßigtes Christentum tut niemandem weh, nützt aber
auch niemandem.
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