| Zitate zum Zeitgeist |
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Ansichten, die vom
herrschenden Zeitgeist abweichen, geben der Menge stets ein Ärgernis. Lass andere darüber klagen,
dass unsere Zeit böse sei; ich klage darüber, dass sie armselig ist, denn sie
ist ohne Leidenschaft. Der Westen hat Christus
verloren; daran muss er zugrunde gehen. Der Montag ist in
christlichen Ländern der Tag nach dem Fußballspiel. Aber das Ideal der
Einfachheit macht das Leben in der modernen Gesellschaft noch schwieriger. Europa ist heute nur dem
Namen nach christlich. In Wirklichkeit betet es den Mammon an. Das Verhängnis unserer
Kultur ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig. Unsere Zeit schlägt sich in
Sinnlosigkeit herum, wie ein gefallenes Pferd in seinen Strängen. Auf die Füße
kommt sie erst, wenn sie einsieht, dass ihr Heil nicht in neuen Maßnahmen
besteht, sondern in Gesinnungen. Es kommt fast für jeden
Menschen der Augenblick, wo die überkommene und angelernte Religion von ihm abfällt
wie der Mörtel von der Wand. Erziehung, Haus und Familie, religiöses Milieu,
alles kann nichts helfen, denn es muss so kommen, damit der Mensch er selbst
wird. Die Erneuerung des Volkes
muss eine Herzenserneuerung sein, eine Umwandlung des inneren Menschen. Diese
Herzenserneuerung muss bestehen in einer gründlichen Abkehr von der
Gottlosigkeit, vom reinen Diesseitskult und einer herzhaften Rückkehr zum
Gottesglauben, zum Geist des Christentums. Wir leben in einer Zeit
vollkommener Mittel und verworrener Ziele. Welch triste Epoche, in der
es leichter ist ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil! Hier gibt es keine
Philosophie. Seine Aussprüche, von denen manche noch im hohen Alter Wort für
Wort im Gedächtnis haften, sind die eines Kindes mitten in einer fremden, späten
und kranken Welt. Unser Zeitalter muss lernen,
dass nicht alles zu "machen" ist. Nichts ist schwerer und
erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu
befinden und zu sagen: Nein! Je mehr Leere, je mehr
Schnelligkeit. Das Kennzeichen
der modernen Zeit ist die metaphysische Verdummung des Menschen. Die zeitgenössischen
Religionen opfern dem Zeitgeist mehr als irgendeinem anderen Gott. Unsere Zeit ist
erfüllt vom Aberglauben an das Gegenständliche. Die zerstörerischen
Tendenzen nehmen meines Erachtens heute deshalb so zu, weil die Langeweile wächst,
weil die Sinnlosigkeit des Lebens wächst, weil die Menschen ängstlicher
werden, weil sie keinen Glauben an die Zukunft und keine Hoffnung haben. Menschliche
Eigenschaften wie Güte, Großzügigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, Verständnis
und Gefühl sind in unserer Gesellschaft Symptome des Versagens. Negativ
besetzte Charakterzüge wie Gerissenheit, Habgier, Gewinnsucht, Gemeinheit,
Geltungsbedürfnis und Egoismus hingegen sind Merkmale des Erfolges. Man
bewundert die Qualitäten der ersten und begehrt die Erfolge der Letzten. Sinn im Leben
ist nicht machbar, er muss gefunden werden. Der neue
Zeitgeist: Selbstbewusstsein ohne Bewusstsein. Dass sozialer
Fortschritt mit steigendem Lebensstandard identisch sei, wird zu einem
Glaubensbekenntnis. Das moderne
Leben ist der Maßlosigkeit ausgeliefert. Weil viele
Zeitgenossen keine eigenen anspruchsvollen Fragen haben, besitzen sie auch kein
Schöpfgefäß mehr, um in die Tiefe des Brunnens der Gottesfrage
hinabzureichen. Das merken sie jedoch gar nicht, sondern behaupten im Gegenteil
kühn, dass dieser Brunnen kein Wasser mehr enthalte. Deutschland ist
mittlerweile ein religiös unterentwickeltes Land geworden. Wirtschaftlich sind
die Deutschen Riesen, geistig sind sie Boulevardtypen geworden. Die materielle
Sicherheit allein wird nie genügen, uns glücklich zu machen. Wir sind doch
Menschen, die ihre freie Meinung, ihren Glauben haben. Eine Regierung, die an
diese Dinge rührt, hat keinen Funken Ehrfurcht mehr vor dem Menschen. Atheismus ist
das Grundübel unserer Zeit. Die Menschen haben Gott vergessen, und das ist der
Grund für die Probleme des zwanzigsten Jahrhunderts. Nichts scheut
der moderne Mensch mehr als ein Rendezvous mit sich selbst. Davon lebt die Vergnügungsindustrie. Wir haben noch
genug Lebensmittel, aber keine Lebensmitte. Wer den
Zeitgeist heiratet, wird bald Witwer sein. Etwas
Bornierteres als den Zeitgeist gibt es nicht. Wer nur die Gegenwart kennt, muss
verblöden. Aufhalten können
die Kirchen den Abwärtstrend nur, wenn sie sich auf ihre wesentliche Botschaft
besinnen und den Mut haben, dem Zeitgeist entgegenzutreten. Das große
Problem unserer Zeit ist nicht die Atombombe, sondern die Gottesferne. Wenn wir
dieses Problem lösen, lösen wir auch die anderen Probleme. Die Berühmtheit
mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen. Die Kirche kann
sich nicht wie ein Unternehmen verhalten, das sein Angebot ändert, wenn die
Nachfrage nachlässt. Statt des persönlichen
Gottes nun jedem sein eigener PC. So endet die größte aller Revolutionen in
der Banalität des berechnenden Unglaubens, und es scheint, als sei das in der
Vorsehung programmiert. Auch ein noch so
verlockender Zeitgeist kann die Schöpfungsordnung Gottes nicht ändern. Der Glaube gibt
dem Leben einen subjektiven Sinn, der in der Praxis der Liebe objektiviert wird.
Eine Ware schafft jedoch nur die Illusion, das wir durch sie in den Augen
Fremder mehr wert sind. Das
Leben für den Konsum beweist ein schwaches
Selbstwertgefühl. Ein heiliger Franziskus von Assisi oder ein Mahatma Gandhi
brauchten keine In-Waren, keine Markenjeans, um sich auf sich selbst zu besinnen
und sich auf die anderen und Gott zu konzentrieren.... Heutzutage wird
alles genau bestimmt, zerlegt, analysiert, durchleuchtet, abgehandelt und
abgewogen, auseinandergenommen und eingeordnet. Ist es da ein Wunder, dass alles
Stückwerk bleibt? Massenunterhaltungen
sind moderne Krippenspiele, an denen zwar keine Heiligen, aber dafür sehr sehr
viele Ochsen und Eseln teilnehmen. Jede Abweichung
vom herrschenden Zeitgeist wird sofort mit einem Lächerlichmachen bestraft. Die Dummheit
kommt nie aus der Mode. Sie lässt sich vom Zeitgeist immer wieder neu
einkleiden. Nicht die Güte,
das Mitleid oder die Scham angesichts des Bösen, sondern die Schlauheit, der
Egoismus und die Verachtung von Schwäche dominieren in der Kultur. Medien schaffen,
ob sie wollen oder nicht, ein neues Modell unserer Geistigkeit, nicht nur in der
Sphäre der alltäglichen Sitten, sondern vor allem in der Denkweise des zeitgenössischen
Menschen und seiner moralischen Empfindsamkeit.
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